Familie Aly

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden sogenannte "Beutetürken" und "Beutetürkinnen" als Kriegsgefangene aus der Armee der Osmanen nach Deutschland verschleppt, versklavt und zwangsassimiliert. Die Osmanen verschleppten bereits einige Jahrhunderte lang vor allem christliche Kinder für die Umerziehung zu Janitscharen. Die höheren Ränge der habsburgischen Militärs und ihrer alliierten Siegermächte über die Osmanen verschleppten ihrerseits die kräftigsten "Beutetürken“ und schönsten "Beutetürkinnen“ als Kriegsgefangene vor allem als "Kammertürken", als "Handelsgut" und  "Gastgeschenke" an die deutschen Fürstenhöfe, wo es ein wichtiges Prestigemerkmal war, den eigenen Hofstaat mit exotisch gekleideten jungen muslimischen Sklav*innen zu schmücken. Auch in Mitteldeutschland findet man ihre Spuren.

 

 

Einer der bekanntesten "Beutetürken" war Christian Friedrich Aly, zwangsgetauft bei Tangerhütte, der spätere erste Berliner Bürgermeister mit osmanischem Migrationshintergrund.

 

Christian Friedrich Aly (hier oben als Symbolfigur der ersten Sonderausstellung zum Islam in Deutschland) wurde um 1666 im Osmanischen Reich geboren und starb am 9. Dezember 1716 in Berlin. Er war Kammertürke am Hofe des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg. Dieser hatte für seine zweite Frau, Sophie Charlotte, zwei gefangen genommene Türken, Aly und Hassan, aus der siegreichen Schlacht bei Ofen/Budapest (1684/1686) im Zuge des Großen Türkenkriegs gegen das Osmanische Reich im Jahre 1686 als Leibdiener verpflichtet, nachdem diese zum Christentum zwangskonvertiert worden waren.

Zeichnung von Koko, Projektgruppe "Kalligrafie. Texte.Färben.Heimat"
Zeichnung von Koko, Projektgruppe "Kalligrafie. Texte.Färben.Heimat"