Johann von Magdeburg:

 "Jud´ und Heid´ und Muselmann,

       Ist er brav, sei unser Mann"


Während alte Überlieferungen auch in Magdeburg weiterhin das Bild des Fremden, des "Muselmanen", Tataren oder Türken als unzivilisiertem Nomaden weitergeben, werden im Geiste der Aufklärung auch andere Stimmen laut. Johann von Magdeburg (Johann Heinrich David Zschokke) war einer von diesen Aufklärern. In seiner epischen Dichtung predigte er Toleranz und Offenheit. So heißt es  z.B. in seinem Bundeslied der Freundschaft "Jud´ und Heid´ und Muselmann, Ist er brav, sei unser Mann"

Der Sohn des Altmeisters der Magdeburger Tuchmacherinnung Schokke wuchs nach dem Tod der Eltern erst bei Geschwistern und dann bei dem Schriftsteller und Rektor des altstädtischen Gymnasiums Elias Caspar Reichard auf. Er besuchte das Pädagogium am Kloster Unser Lieben Frauen sowie das altstädtische Gymnasium. Ab 1788 war er Theaterdichter einer Wandertruppe, im Herbst 1790 nahm er ein Studium der Philosophie und Theologie an der Universität Frankfurt (Oder) auf. Nach der Promotion 1792 war er bis 1795 Privatdozent für Philosophie.

1795 bis 1796 unternahm er eine Bildungsreise durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz, wo er sich schließlich niederließ. Er wurde Leiter einer Erziehungsanstalt in Reichenau im Kanton Graubünden, arbeitete an der Verbesserung des Schulwesens, wurde zunehmend politisch aktiv und erhielt das Bürgerrecht Graubündens. 1805 heiratete er Nanny Nüsperli. Das Ehepaar hatte zwölf Söhne und eine Tochter.

Als Schriftsteller wandte sich Zschokke anfangs der Räuber- und Schauerromantik zu, etwa in der Tragödie Graf Monaldeschi (1790) und den Romanen Abällino der große Bandit (1793) und Alamontade, der Galeerensklave (1803). Später schrieb er moralische Erzählungen mit aufklärerischer Tendenz. Seine Novellen (Der tote Gast, Das Goldmacherdorf, Die Nacht in Brczwezmcisl) waren beim Publikum sehr beliebt, ebenso sein Erbauungsbuch Stunden der Andacht. 1814 erschien seine Erzählung Hans Dampf in allen Gassen.

Zschokke war zu seiner Zeit einer der meistgelesenen deutschsprachigen Schriftsteller. Außerdem machte er sich verdient durch Forschungen zur älteren Geschichte der Schweiz und mit der Herausgabe volkserzieherischer Zeitschriften. Er verfasste ein umfangreiches Werk zur Geschichte Bayerns.  

  

Literatur

J. J. Bäbler: Zschokke, Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 45, Duncker & Humblot, Leipzig 1900, S. 449–465.

Werner Ort: Heinrich Zschokke als Regierungsstatthalter der Helvetik in Basel (1800-1801), in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Bd. 100 (2000), S. 53–119.

Werner Ort: Heinrich Zschokke. Wegbereiter der Freiheit. In: Schweizer Monatshefte. Zeitschrift für Politik, Wirtschaft, Kultur. Heft 07/08, Juli/August 2007, S. 22 ff.

Gunter Schandera: Zschokke, Johann Heinrich Daniel In: Magdeburger Biographisches Lexikon, Magdeburg 2002.

Dietrich Seybold: Heinrich Zschokke. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 3. Chronos, Zürich 2005, S. 2155 f. 

 

Zur homepage der Heinrich-Zschokke-Gesellschaft geht es unter http://www.heinrichzschokke.ch