Prof. Dr. Otto Max Johannes Stiehl

Otto Stiehl wurde am 24. Juni 1860 in Magdeburg geboren und starb 1940. Er war ein deutscher Architekt, Fotograf, Fachschriftsteller und Hochschullehrer.
Stiehl studierte in den 1880er Jahren an der Technischen Hochschule Charlottenburg (seit 1946 Technische Universität Berlin) Architektur als Meisterschüler bei Carl Schäfer. Aus dieser Zeit sind bereits erste Entwürfe für ein Künstlerhaus überliefert.Am 19. November 1920 verlieh ihm die Technische Universität Braunschweig die Ehrendoktorwürde. Außerdem war Stiehl Mitglied in der Preußischen Akademie des Bauwesens.

1915/1916 entwarf Otto Steihl den Gedenkstein für die Tataren in Zehrensdorf (gehört heute zur "Bücherstadt Wünsdorf")
Die Tataren nahmen als Mitglieder der russischen Armee zusammen mit Baschkiren, Aserbaidschanern und vielen weiteren nichtrussischen muslimischen Soldaten  am Ersten Weltkrieg teil  und gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Tausende von ihnen wurden zusammen mit indischen Sikhs und Hindus sowie nordafrikanischen und arabischen Muslimen interniert, um sie im Sinn der Deutschen umzuerziehen und gegen die Feide des Deutschen Reiches einzusetzen. Rund 600 Kämpfer starben und erhielten auf dem früheren Dorffriedhof ihre letzte Ruhestätte. Das Preußische Kriegsministerium veranlasste die Errichtung der Kriegsgräbergedenkstätte. Der Totengedenkstein nach Entwurf vom Architekten Otto Stiehl, der in dieser Zeit stellvertretender Kommandant der Wünsdorfer Kriegsgefangenen-Sonderlager war, enthielt folgende Inschrift auf Deutsch und Tatarisch: „Grabstätte der kriegsgefangenen mohammedanischen Kasan Tataren, die unter der Regierung Wilhelm II. während des Weltkriegs starben“. Das Tatarendenkmal wurde während des Ramazan-Bayramfestes (dem Fest des Fastenbrechens, arabisch: ʿĪdu l-Fitr) im August 1916 unter Anwesenheit türkischer Offiziere, tatarischer Intellektueller und Geschäftsleute und des Botschafters eingeweiht. Für die anderen Verstorbenen sind weitere Gedenksteine errichtet worden. In den darauf folgenden Jahrzehnten geriet der Friedhof in Vergessenheit, die Natur überwucherte vieles und die spätere Lage im Lager der Sowjetischen Streitkräfte tat das Ihrige. Im Jahr 1995 erfolgte seine Restaurierung. 2005 und 2006 sammelten die Tataren Deutschlands und Rußlands 5000 Euro für die Instandsetzung des Tatarengedenksteins. Dies war eine Initiative von TAMGA e.V. (Vorstandsvorsitzender Dr. Mieste Hotopp-Riecke) und Tatarlar Deutschland e.V. (Vorstand: Venera Gerassimov-Vagizova & Bari Dianov). Nun ist der Stein wieder vollkommen hergestellt.

 

 

Quellen:

Christoph Richter: Nicht Mekka sondern Zehrensdorf. Muslimische Totenruhe in Brandenburg. (online unter URL:http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/laenderreport/567079/ [2.7.2013])

Stiehl, Otto. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 32, E. A. Seemann, Leipzig 1938, S. 40

Stiehl, Otto: Unsere Feinde. 96 Charakterköpfe aus deutschen Kriegsgefangenenlagern. Stuttgart 1916. (Fotos von Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs)

Die Moschee des Kriegsgefangenenlagers
Die Moschee des Kriegsgefangenenlagers

Otto Stiehl war auch derjenige, der in der Geburtsstadt von unserem Betreuer, Dr. Mieste Hotopp-Riecke vom ICATAT, das wunderschöne Salzwedeler Tor rekonstruierte.

Salzwedeler Tor

Salzwedeler Tor in "Garley" (Gardelegen)

Das Salzwedeler Tor ist eines von ehemals drei Stadttoren der Stadt Gardelegen. Es wurde im 16. Jahrhundert als Teil der Stadtbefestigungsanlage erbaut. 1907 wurde das Tor durch den in Magdeburg geborenen Architekten Otto Stiehl rekonstruiert. Toreinfahrt und Giebel wurden nach alten Vorbildern rekonstruiert. Ab 1991 wurde eine Generalinstandsetzung durchgeführt. Das Salzwedeler Tor beheimatet heute verschiedene Vereine Gardelegens.