Prof. Dr. Otto Max Johannes Stiehl

Die Moschee in Märkischem Sand und der Tatarenleuchter von Gardelegen

Nahezu jede Stadt und Region in Mitteldeutschland hat eigene historische Bezüge zum Orient  oder zu Regionen und Menschen des islamischen Kulturkreises. Meist ereigneten sich direkte Interkulturkontakte im Kontext von Krieg, Gewalt und Eroberung. So wie in früheren Jahrhunderten gilt dies auch für das 20. Jahrhundert. Ein besonderer deutsch-tatarischer Artefakt des Ersten Weltkrieges ist ein hölzerner Kronleuchter aus der tatarischen Schnitzwerkstatt des Kriegsgefangenenlagers für Muslime bei Wünsdorf-Zossen, der im Rathaus der Hansestadt Gardelegen hing, hergestellt von muslimischen Kriegsgefangenen im Auftrag von Otto Stiehl, einem Architekt, Fotografen und Militär aus Magdeburg.

 

Otto Stiehl wurde am 24. Juni 1860 in Magdeburg geboren und starb 1940. Er war ein deutscher Architekt, Fotograf, Fachschriftsteller und Hochschullehrer. Stiehl studierte in den 1880er Jahren an der Technischen Hochschule Charlottenburg (seit 1946 Technische Universität Berlin) Architektur als Meisterschüler bei Carl Schäfer. Aus dieser Zeit sind bereits erste Entwürfe für ein Künstlerhaus überliefert. Am 19. November 1920 verlieh ihm die Technische Universität Braunschweig die Ehrendoktorwürde. Außerdem war Stiehl Mitglied in der Preußischen Akademie des Bauwesens.

 

 

Quellen:

Christoph Richter: Nicht Mekka sondern Zehrensdorf. Muslimische Totenruhe in Brandenburg. (online unter URL:http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/laenderreport/567079/ [2.7.2013])

Stiehl, Otto. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 32, E. A. Seemann, Leipzig 1938, S. 40

Stiehl, Otto: Unsere Feinde. 96 Charakterköpfe aus deutschen Kriegsgefangenenlagern. Stuttgart 1916. (Fotos von Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs)

 

Die Moschee des Kriegsgefangenenlagers
Die Moschee des Kriegsgefangenenlagers